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Willkommen

bei der Schweizerischen Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK)



2026 feiert die SKEK 35 Jahre Engagement für die Kulturpflanzenvielfalt und die CWR.
Die Erbse von Fully, unser allererstes Erhaltungsprojekt, ist zum Emblem unseres Logos geworden (Foto: Sibyl Rometsch).

Willkommen

Die Schweizerische Kommission für die Erhaltung von Kulturpflanzen (SKEK) 
wünscht Ihnen viel Erfolg bei Ihren Projekten.

 

Agroscope Conthey verfügt über ein bedeutendes Kompetenzzentrum für genetische Ressourcen von Aprikosen.

NEWSLETTER SKEK

Spätsommer 2026

Liebe Mitglieder, liebe Interessentinnen und Interessenten,

Wir laden euch ein, bereits jetzt das Datum unserer Jubiläumsfachtagung zum 35-jährigen Bestehen vorzumerken. Sie findet am 19. November in Lyss (BE) statt und widmet sich unter anderem den Herausforderungen des Klimawandels.

Ausserdem informieren wir euch über einen weiteren Schritt bei der Wissensplattform Fundus Agri-Cultura Alpina, die neu an Rete Semi Rurali übergeben wurde, einen italienischen Verein, der sich für die Erhaltung des landwirtschaftlichen Kulturerbes im Alpenraum engagiert.

Wir blicken zudem auf unsere Exkursion bei Agroscope Conthey zurück, die den genetischen Ressourcen im Obstbau und der Aprikosenzüchtung gewidmet war. In der Rubrik «Neues von der Mitgliedern” berichten wir über das nächste Treffen rund um seltene Rübensorten, die in Bern gefeierte Frucht des Jahres «Hallauer Aemli», die Arbeit von Semences de Pays sowie über einen neuen regionalen Vermarktungsweg für Emmerbrot.

Schliesslich greifen wir verschiedene nationale und internationale Aktualitäten auf: die Vernehmlassung zur Agrarpolitik 2030+, den OECD-Bericht sowie den neuen europäischen Rechtsrahmen für Pflanzen aus neuen genomischen Techniken.

Wir wünschen euch eine interessante Lektüre und einen schönen Spätsommer.

Die Geschäftsstelle der SKEK

 

Neues von der SKEK

35 Jahre SKEK: von ihrer Geschichte zu den Herausforderungen des Klimawandels

Dieses Jahr feiert die SKEK ihr 35-jähriges Engagement für die Vielfalt der Kulturpflanzen. Aus diesem Anlass laden wir Sie herzlich zu unserer Jubiläumstagung am 19. November 2026 in Lyss (BE) ein.

Unter dem Titel «35 Jahre SKEK: für die Kulturpflanzenvielfalt – Eine Geschichte zum Feiern und klimatische Herausforderungen zum Erkunden» bietet dieser Tag Gelegenheit, auf die Ursprünge der SKEK und den Weg zurückzublicken, den sie seit ihrer Gründung im Jahr 1991 zurückgelegt hat. Erfahrungsberichte und Gespräche werden insbesondere die Bedeutung des Netzwerks und der Zusammenarbeit beleuchten, die zur Weiterentwicklung der Erhaltung und nachhaltigen Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen in der Schweiz beigetragen haben.

Am Nachmittag stehen aktuelle Herausforderungen im Mittelpunkt: der Klimawandel und seine Auswirkungen auf die Erhaltung pflanzengenetischer Ressourcen sowie Entwicklungen und Erfahrungen auf europäischer Ebene.

Weitere Informationen sowie das Programm werden Anfang Oktober auf unserer Website verfügbar sein.

Reservieren Sie sich schon jetzt den 19. November!
 

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Fundus Agri-Cultura Alpina: ein neuer Abschnitt

Die für September vorgesehene Auflösung der SAVE Foundation Schweiz bringt auch eine Veränderung für die Wissensdatenbank Fundus Agri-Cultura Alpina mit sich. Die Plattform sammelt Wissen zum landwirtschaftlichen Kulturerbe im Alpenraum und macht dieses zugänglich.

Die SKEK kennt Fundus Agri-Cultura Alpina gut: Im Rahmen eines gemeinsam mit der SAVE Foundation durchgeführten Projekts hat sie dazu beigetragen, die Plattform auf die französischsprachigen Regionen des Alpenraums auszuweiten und die Wiki-Plattform weiterzuentwickeln. Zudem war sie in die Suche nach einer Nachfolgeorganisation eingebunden, um den Fortbestand der Plattform nach der Auflösung der SAVE Foundation Schweiz sicherzustellen.

In diesem Rahmen wurde Fundus Agri-Cultura Alpina an den italienischen Verein Rete Semi Rurali (RSR) übergeben, der das Projekt künftig weiterführen und sich insbesondere für die aktive Förderung der Plattform einsetzen wird. Die Inhalte bleiben unter Wahrung der Urheberschaft und Quellenangaben weiterhin öffentlich und kostenlos zugänglich.

Der Übergang erfolgt schrittweise. Bis 2029 bleibt Fundus auf der bisherigen Infrastruktur gehostet. So können Nutzerinnen und Nutzer sowie Autorinnen und Autoren weiterhin auf das Wiki zugreifen und daran mitarbeiten. Ab 2029 wird RSR die vollständige Verwaltung der Infrastruktur übernehmen und die Plattform gegebenenfalls auf eigene Server übertragen. Die Vereinbarung enthält zudem Bestimmungen, die darauf abzielen, das in Fundus gesammelte Wissen langfristig zu erhalten.

Mit dieser Übergabe beginnt somit ein neues Kapitel für Fundus, während der öffentliche und kostenlose Zugang zu dem über die Jahre zusammengetragenen Wissen erhalten bleibt.

 

Weitere Informationen:

Fundus Agri-Cultura Alpina

SAVE Foundation

Rete Semi Rurali

 

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Den Aprikosen von gestern und morgen auf der Spur

Am 23. Juni besuchten rund zwanzig SKEK-Mitglieder im Rahmen der jährlichen Exkursion einen Teil des Agroscope-Standorts Conthey. Der Tag war den pflanzengenetischen Ressourcen im Obstbau gewidmet, mit einem besonderen Schwerpunkt auf der Aprikose: Wie entstehen neue Sorten, wie werden sie geprüft und wie wird dabei auf Sammlungen alter Sorten zurückgegriffen?

 

Nach der Begrüssung stellte Christophe Carlen, Leiter des strategischen Forschungsbereichs Produktionssysteme Pflanzen, die Tätigkeiten des Standorts sowie die geplanten Sparmassnahmen bei Agroscope vor. Bis Ende 2029 soll das ordentliche Budget des Instituts gegenüber 2023 um rund 10 Millionen Franken gekürzt werden. Dies führt zum Abbau von 58 Vollzeitstellen und betrifft 43 Mitarbeitende direkt.

Mehrere Forschungsaktivitäten werden aufgegeben, insbesondere im Bereich der Aroma- und Medizinalpflanzen. Das Aprikosenprogramm wird hingegen weitergeführt. Vor diesem für das Institut besonders angespannten Hintergrund machte der Besuch sowohl die Bedeutung der in Conthey geleisteten Arbeit als auch die Gefährdung einzelner Forschungsbereiche deutlich.

 

Alte Aprikosensorten wiederentdecken

Anschliessend stellten Romain Salamin, Mélanie Quennoz und Andrea Patocchi die genetischen Ressourcen der Aprikose und die Züchtungsarbeit von Agroscope vor.

Zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurden im Wallis noch mehr als ein Dutzend Sorten erwähnt. Im Jahr 1922 wurden Luizet, Rosé und Paviot empfohlen, um den Bedarf der Konservenfabrik in Saxon zu decken. Diese Konzentration verstärkte sich schrittweise: 1989 machte Luizet 95 % der angebauten Aprikosenbäume aus. 2024 betrug ihr Anteil nur noch 14,3 %, während die übrigen alten Sorten praktisch aus der Produktion verschwunden waren.

Um dieses Kulturerbe zu bewahren, wurde 2017 zunächst nach alten Schweizer Aprikosenbäumen gesucht. Dank öffentlichen Aufrufen, der kantonalen Fachstellen und persönlicher Hinweise konnten 135 Bäume erfasst werden – hauptsächlich im Wallis, in alten Obstgärten und privaten Sammlungen. Genetische Analysen reduzierten diesen Bestand auf 17 unterschiedliche Genotypen, die für die Erhaltung als prioritär eingestuft wurden.

Im Jahr 2018 wurden in Conthey, Fey und Vétroz drei Erhaltungssammlungen mit diesen 17 Genotypen angelegt. Durch diese Aufteilung sollte das Risiko eines vollständigen Verlusts der Sammlung begrenzt werden. Die beiden externen Standorte konnten jedoch nicht erhalten werden. In der am Hang gelegenen Anlage erschwerte die Sortenvielfalt insbesondere den Pflanzenschutz, unter anderem gegenüber der Kirschessigfliege. Die Sammlung in Conthey ist die letzte noch bestehende und umfasst drei Bäume pro Akzession.

 

Die Sorten von morgen züchten

Am selben Standort in Conthey wurde der Besuch in Parzellen mit einer anderen Funktion fortgesetzt. Im Gegensatz zur Erhaltungssammlung dienen sie dazu, Sorten und neue Züchtungen zu vergleichen, die später für den Anbau empfohlen werden könnten.

Derzeit werden dort rund 50 Sorten geprüft, üblicherweise anhand von jeweils 19 Bäumen. Über mehrere Jahre hinweg bewerten die Teams Ertrag, Geschmack, Aussehen, Lagerfähigkeit, Transportfähigkeit sowie die Toleranz gegenüber Krankheiten und klimatischen Stressfaktoren. Die interessantesten Sorten werden anschliessend in grösserem Massstab getestet. Insgesamt dauert es in der Regel zwischen 15 und 20 Jahren, bis eine neue Sorte entsteht.

Die Sortenvielfalt ermöglicht es zudem, die Erntezeit zu verlängern, anstatt die gesamte Produktion auf wenige Wochen zu konzentrieren. Sehr spät reifende Sorten sind jedoch stärker durch die Kirschessigfliege gefährdet. Die Züchtung ist daher nur ein Teil der Lösung – neben Anbaumethoden, Bewässerung und physischen Schutzmassnahmen.

 

Eine besondere Branche für Medizinalpflanzen

Der Vormittag wurde mit Xavier Simonnet, wissenschaftlichem Mitarbeiter der Forschungsgruppe Beeren und Medizinalpflanzen, fortgesetzt. Diese Branche zeichnet sich durch eine grosse Zahl von Arten und besondere Anforderungen aus. Ricola spielte seit den 1980er-Jahren eine wichtige Rolle bei ihrer Entwicklung und verarbeitet heute rund 60 % der Schweizer Produktion von Aroma- und Medizinalpflanzen.

Die Züchtung befasst sich insbesondere mit Sekundärmetaboliten, die für zahlreiche aromatische oder medizinische Eigenschaften verantwortlich sind. Ihre Zusammensetzung wird stark von der Genetik bestimmt. Für die Unternehmen besteht die Herausforderung deshalb darin, möglichst einheitliche Chargen zu erhalten.

Ein Projekt zum Süssfenchel veranschaulicht diese Arbeit. Coop wollte Produkte für Mütter und Säuglinge mit einem lokalen Rohstoff entwickeln, anstatt diesen aus Ägypten zu importieren. Solche Kooperationen verbinden Forschung, Produktion und Verarbeitung, insbesondere im PhytoArk sowie mit Mediplant, Pharmalp und Valplantes. Die angekündigte Aufgabe dieses Forschungsbereichs bei Agroscope wirft nun Fragen zur Erhaltung des Pflanzenmaterials und der in Conthey aufgebauten Kompetenzen auf.
 

Nachmittag auf dem kantonalen Gut Châteauneuf

Am Nachmittag stellte Sven Knieling, Leiter des Bereichs Produktion beim kantonalen Amt für Obst- und Gemüsebau des Kantons Wallis, die gemeinsam mit Agroscope betreuten Sammlungen des kantonalen Guts Châteauneuf vor.

Die Hitze an diesem Tag bot Anlass, über die Wasserversorgung zu sprechen. Temperaturen von über 35 °C während mehrerer Tage können Aprikosenbäume beeinträchtigen. In den besichtigten Parzellen wird die Bodenfeuchtigkeit jedoch mithilfe von Tensiometern überwacht und regelmässig mit Mikroberegnung bewässert.

Das Luizet-Konservatorium umfasst rund 50 Klone, die ab 1998 gemeinsam mit Walliser Produzenten gesammelt wurden. Untersucht werden ihre agronomischen, gesundheitlichen und geschmacklichen Eigenschaften sowie ihre Eignung für die Destillation. Die Sammlung stellt ausserdem Material für Baumschulen, Obstbaubetriebe und die Züchtung bereit: Die Sorten Mia und Elsa haben beide Luizet als Elternsorte.

Das Gut erhält zudem rund 140 Birnensorten und vergleicht 25 Mutanten der Sorte Gala, während Agroscope über eine Sammlung von 357 Apfelsorten verfügt. Diese Sammlungen bilden wichtige Ressourcen für künftige Kreuzungen und den Anbau.

 

Die perfekte Aprikose gibt es nicht

Zum Abschluss des Tages leiteten Sven Knieling und Mélanie Quennoz eine Degustation. Zunächst verglichen die Teilnehmenden bekannte Sorten, darunter Mia, Elsa und Pearl Cot. Anschliessend bewerteten sie mehrere experimentelle Züchtungen, die noch mit Nummern bezeichnet wurden und aus den am Vormittag besichtigten Parzellen stammten.

Die Degustation zeigte erneut, dass es nicht die eine perfekte Sorte gibt. Produktion, Handel, Verarbeitung und Konsumierende messen Geschmack, Textur, Farbe, Ertrag und Lagerfähigkeit nicht immer die gleiche Bedeutung bei. Die Sortenvielfalt ermöglicht es gerade, diese unterschiedlichen Bedürfnisse zu erfüllen.

Der Besuch machte damit den gesamten Weg sichtbar, der eine alte genetische Ressource mit einer möglicherweise künftig angebauten Sorte verbindet: wiederfinden, sanieren, erhalten, beobachten, kreuzen, selektieren, prüfen und schliesslich degustieren.

 

Neues von den Mitgliedern der SKEK

Seltene Randensorten neu entdecken

Am Montag, 12. Oktober 2026, lädt ProSpecieRara von 13.30 bis 17.00 Uhr zur diesjährigen Vernetzungswerkstatt ins Landhotel Hirschen in Erlinsbach bei Aarau ein.

Im Mittelpunkt stehen fünf seltene Randensorten. Fachpersonen aus Landwirtschaft, Verarbeitung, Handel und Gastronomie werden Einblicke in aktuelle Anbauversuche des FiBL erhalten können und die Sorten unter Anleitung von Koch und Rezeptentwickler Pascal Haag degustieren.

Die Teilnahme ist kostenlos. Interessierte können vorab Randenproben erhalten und ihre Erfahrungen zum Anlass mitbringen.
 

Programm und Anmeldung:

Seltene Randensorten neu entdecken | ProSpecieRara
 

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Hinter den Kulissen der Saatgutproduktion : Besuch bei Semences de Pays in Chêne-Bourg

In Belle-Idée in Chêne-Bourg (GE) erinnern die Kulturen von Semences de Pays zunächst an einen besonders vielfältigen Gemüsegarten. Die meisten Gemüse werden hier jedoch nicht für den direkten Verzehr angebaut, sondern um Saatgut für die nächste Generation zu gewinnen.

Der Verein wurde 2009 von Akteuren des Genfer Gemüsebaus und der regionalen Vertragslandwirtschaft gegründet. Ausgangspunkt war ein konkretes Bedürfnis: Für die Gemüseabonnements der landwirtschaftlichen Kooperativen sollten biologische, lokal produzierte und ausreichend vielfältige Jungpflanzen zur Verfügung stehen. Seit 2016 befindet sich der Verein in der Nähe des ehemaligen Betriebs von François Grosjean. Der Genfer Landwirt stammte aus einer Familie, die über mehrere Generationen eigenes Saatgut anbaute, erhielt und selektierte. Zahlreiche von der Familie erhaltene Lokalsorten werden heute noch von Semences de Pays bearbeitet. Mittlerweile kümmern sich sechs Personen (zusammen rund drei Vollzeitstellen) um die Selektion, Vermehrung, Reinigung und Lagerung des Saatguts.

 

Saatgut produzieren, aber für wen?

In diesem Jahr baut Semences de Pays 52 Sorten für den eigenen Katalog an. Davon werden 14 zugleich für das Netzwerk Court-Circuit und drei für ProSpecieRara produziert. Hinzu kommen sieben Sorten ausserhalb des Katalogs für das Leguminosenprojekt der GZPK sowie zwei Sorten, die ausschliesslich für Court-Circuit und eine Sorte, die ausschliesslich für ProSpecieRara angebaut werden.

Diese Zahlen allein zeigen jedoch nicht den gesamten Arbeitsaufwand. Eine Katalogsorte wird möglicherweise nur in kleiner Menge vermehrt, während eine Sorte für Court-Circuit mehrere Jahre der Prüfung und Selektion erfordern kann. Besonders die Sortenvergleiche nehmen viel Zeit in Anspruch und richten sich in der Regel nach den Bedürfnissen des Netzwerks.

Court-Circuit ist ein partizipatives Netzwerk, das Betriebe aus Gemüsebau, Jungpflanzenproduktion und Saatgutvermehrung zusammenbringt. Gemeinsam wählen sie die zu prüfenden und zu produzierenden Sorten aus, planen die Produktion und besprechen Saatgutqualität, Preise sowie die jeweiligen Verpflichtungen. Das Saatgut wird von Semences de Pays, BioBrüngger und zunehmend auch direkt von den Mitgliedsbetrieben produziert. Der Arbeitsaufwand verteilt sich heute ungefähr gleich auf Semences de Pays und BioBrüngger; die Mitgliedsbetriebe übernehmen inzwischen fast ein Drittel der Produktion.
 

Beobachten, auswählen, erneut aussäen

Auf den Anbauflächen zeigt uns Joël Mützenberg, der bei Semences de Pays arbeitet und dort unter anderem für die Selektionsarbeit zuständig ist, eine Zucchetti der Sorte ‘Verte des maraîchers’ und einen Lauch der Sorte ‘Dubouchet’. Beide befinden sich in einem Selektionsprozess: Es geht nicht nur darum, Saatgut zu ernten, sondern die Pflanzen zu beobachten und diejenigen auszuwählen, deren Eigenschaften (Geschmack, Form, Gleichmässigkeit oder Verhalten im Feld) an die nächste Generation weitergegeben werden sollen.

Der Lauch ‘Dubouchet’ ist eine von den Gemüsebaubetrieben des Netzwerks Court-Circuit anerkannte Sorte. Die während des Besuchs gezeigte Selektion wurde auf zwei Mitgliedsbetrieben durchgeführt: La Touvière in Meinier (GE) und der Ferme du Joran in Orbe (VD). Das daraus gewonnene Saatgut ist für Gemüsebaubetriebe und den Hobbygartenbau bestimmt.

Etwas weiter, vor den Gewächshäusern, lockt eine blühende Agastache Insekten an. Die Kultur dient der Saatgutvermehrung für den Katalog von Semences de Pays und trägt gleichzeitig dazu bei, die Bestäuberpopulation am Standort zu erhalten.

 

Unter dem Netz: unerwünschte Kreuzungen verhindern

Der Besuch wird in einem Gewächshaus fortgesetzt. Dort wächst die Karotte ‘Bollin’ geschützt durch ein Netz. Diese Sorte wird im Rahmen von Court-Circuit bearbeitet und  wurde auf dem Betrieb La Belle Courgette in Bussigny (VD) selektiert.

Bei Karotten zur Saatgutgewinnung ist die Bestäubung von zentraler Bedeutung. In der Umgebung wächst die Wilde Möhre, Daucus carota, häufig auf Brachflächen und an Feldrändern. Ohne Schutz könnte sie sich mit den angebauten Karotten kreuzen und die Eigenschaften der geernteten Sorte verändern. Das Netz dient deshalb dazu, die Sortenreinheit des Saatguts zu schützen.

Die Gewächshäuser dienen jedoch nicht nur der Isolation. Manche Arten werden darin angebaut, weil ihre Produktion üblicherweise unter Folientunneln erfolgt, etwa Tomaten, Auberginen oder Gurken. Die Selektion soll unter denselben Bedingungen stattfinden, die später auch in den Betrieben herrschen. Bei anderen Arten wie Fenchel, glatter Petersilie oder Karotten schützt das Gewächshaus vor allem vor Verlusten im Herbst.

 

Von der Pflanze zum Saatgut

Sobald die Samenträger reif sind, ist die Arbeit auf dem Feld noch nicht beendet. Die geernteten Pflanzen werden zunächst im Gewächshaus getrocknet.
 

Danach folgt ein wichtiger technischer Arbeitsschritt: Das Saatgut wird gedroschen, von Pflanzenresten getrennt und anschliessend mit verschiedenen Maschinen und mehreren Sieben gereinigt.

Sämtliches Saatgut wird dann unter denselben Bedingungen gelagert – unabhängig davon, ob es für den Katalog, Court-Circuit oder einen Partner bestimmt ist: bei 13 bis 15 °C und rund 40 % Luftfeuchtigkeit. Dort wartet es auf die nächste Aussaat, die Lieferung an Partner oder Bestellungen aus Gemüsebau und Hobbygartenbau.
 

In Belle-Idée beschränkt sich Semences de Pays somit weder auf die Erhaltung alter Sorten noch auf den Verkauf von Saatguttütchen. Der Verein erhält und selektiert lebendige Populationen, vermehrt sie gemeinsam mit seinen Partnern und bringt sie in Gärten und Landwirtschaftsbetrieben wieder in Umlauf.

 

Weitere Informationen:

Semences de Pays

 

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Das 'Hallauer Aemli' im Rampenlicht in Bern

Ein echter Sauerkirschbaum mitten im Kaiserhaus Bern, dazu Schorle an der Bar und eine Ausstellung über die fast verschwundene Sorte: Eine Woche lang stand die Sauerkirsche im Mittelpunkt. Gemeinsam mit dem Kaiserhaus OF GOODS Bern feierte FRUCTUS das Hallauer Aemli, die Obstsorte des Jahres 2026. 

Die Ausstellung war Teil des neu eröffneten OFGOODS – einem nachhaltig und zirkulär und interaktiv gedachten Kaufhaus. Die Gäste konnten das Aemli-Kriesi entdecken, degustieren und mehr über seine Geschichte, den Anbau, die Verarbeitung und seine Bedeutung für die Sortenvielfalt erfahren. Nur frische Früchte gab es keine. 

Bei der Planung hatte noch die Sorge bestanden, für die Ernte zu früh dran zu sein – tatsächlich waren die Sauerkirschen 2026 mehrere Wochen früher reif und bereits geerntet. Das wärmere Klima - ein Problem was uns alle beschäftigt und uns auch hier nicht verschonte.

Zum Auftakt der Woche wurde ein genussvoller Anlass, der Wissen, Kulinarik und Begegnung miteinander verband organisiert. Ein Apero lud ein sich auszutauschen – fermentierte Sauerkirsch-häppchen und Kirschenschorle umrahmten die Ausstellung. Beim anschliessenden Abendessen wurde die Kirsche mit verschiedenen Gerichten kreativ in Szene gesetzt und mit einem grossen Dessertbuffet abgerundet. Schnell zeigte sich: Das Hallauer Aemli schmeckt nicht nur spannend, sondern bringt auch Menschen miteinander ins Gespräch. Diskutiert wurde über alte Sorten, Biodiversität, Landwirtschaft, Verarbeitung – und darüber, wie sich unsere kulinarische Vielfalt erhalten lässt.

Der erfolgreiche Anlass zeigte, welches Potenzial in der Zusammenarbeit steckt. Fructus bedankt sich beim Kaiserhaus OF GOODS, Arbovitis, SlowFood, der Baumschule Glauser, VeDa-Dessert und dem Restaurant Frohsinn für ihr Engagement, ihre Unterstützung und die zahlreichen Beiträge, die diesen Anlass möglich gemacht haben.


Texte von Andi Handke, FRUCTUS.

 

Mehr informationen

Portait der Sorte  ‘Hallauer Aemli’ | FRUCTUS

 

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Ein neuer regionaler Kreislauf für Emmerbrot

Im Zürcher Oberland entwickelt die Initiative «Korn zu Krume» einen neuen Vermarktungsweg für Emmerbrot. Sie verbindet landwirtschaftliche Produktion, handwerkliche Verarbeitung und Pflanzenzüchtung, um diese alte Getreideart besser in Wert zu setzen, deren Markt heute noch eine Nische darstellt.

Ein erster Versuch wurde im Frühjahr durchgeführt: Die Mitglieder der Solawi Huebhof erhielten Brote aus Emmer der Sorte Sephora, die von der Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk) entwickelt wurde. Das Getreide wurde auf dem Huebhof angebaut, in der Maismühle Landolt gereinigt und entspelzt und anschliessend von der Bäckerei Sundaram gemahlen und zu Brot verarbeitet.

Seit Juni 2026 können die Brote im Abonnement bestellt werden. Das Modell sieht eine transparente Verteilung des Verkaufspreises vor: Von einem Brot für 8.30 Franken fliessen 5 % in die Emmerzüchtung der gzpk, 20 % in Anbau, Lagerung und Reinigung, 60 % an die Bäckerei und 15 % in die Verwaltung des Abonnements durch den Huebhof.

Parallel dazu werden in diesem Jahr drei weitere Emmerlinien auf dem Huebhof angebaut. Ziel ist es, diejenigen zu bestimmen, die am besten zu den Bedingungen des Betriebs und den Bedürfnissen der Bäckerei passen. Anschliessend soll ihr Saatgut vor Ort vermehrt werden. Das Projekt zeigt einen Ansatz, bei dem Züchtung, Produktion und Verarbeitung eng miteinander verbunden sind – vom Saatgut bis zum Brot.
 

Weitere Informationen:

Vollständiger Artikel in gzpk aktuell

Getreidezüchtung Peter Kunz (gzpk)

 

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National

Agrarpolitik 2030+ in der Vernehmlassung: Und die Kulturpflanzenvielfalt?

Am 2. September 2026 hat der Bundesrat die Vernehmlassung zur Agrarpolitik ab 2030 (AP30+) eröffnet. Die Reform zielt unter anderem darauf ab, die Ernährungssicherheit, die Wertschöpfung und die Ressourceneffizienz zu stärken.

Gemeinsame Themen der AP30+ und des NAP-PGREL

Die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (PGREL) werden im Rahmen des NAP-PGREL gefördert, dessen Umsetzung insbesondere durch die Verordnung über die Erhaltung und die nachhaltige Nutzung von pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (PGRELV) geregelt wird. Die AP30+ betrifft verschiedene Bereiche und Instrumente der Agrarpolitik, von denen einige Berührungspunkte mit den Zielen des NAP-PGREL aufweisen.

Dazu gehören insbesondere die Förderung robuster Sorten, die Diversifizierung der Produktion, die Anpassung an den Klimawandel sowie der Wissenstransfer in die Praxis.

Diese Stossrichtungen weisen Gemeinsamkeiten mit mehreren Prioritäten der Phase VIII des NAP-PGREL (2027–2030) auf. Dazu gehören insbesondere die verstärkte Nutzung von Lokalsorten und bisher wenig genutzten Arten, die Identifizierung robuster und resistenter Ressourcen sowie die Förderung ihrer Nutzung in der Praxis.

Die Vernehmlassung läuft bis zum 8. Dezember 2026. Mitglieder unseres Netzwerks, die sich für diese Themen interessieren, sind eingeladen, die Unterlagen zur AP30+ zu konsultieren und sich an der Vernehmlassung zu beteiligen.

 

Weitere Informationen:

Medienmitteilung: Vernehmlassung Agrarpolitik AP30 | BLW

 

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International

Die Kulturpflanzenvielfalt im OECD-Bericht zum Schweizer Agrar- und Ernährungssystem

Im Juli 2026 veröffentlichte die OECD eine umfassende Analyse des Schweizer Agrar- und Ernährungssystems (Policies for the Future of Farming and Food in Switzerland). Die Kulturpflanzenvielfalt wird darin im Kapitel über Biodiversität und natürliche Ressourcen behandelt. Obwohl die pflanzengenetischen Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (PGREL) nicht Gegenstand einer eigenständigen Analyse sind, sind einige der Feststellungen für unser Netzwerk besonders interessant.

Positive Bilanz bei der Erhaltung

Die OECD greift die Bewertung der vom Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) und vom Bundesamt für Umwelt (BAFU) festgelegten Umweltziele Landwirtschaft auf. Für die Kulturpflanzen fällt die Bilanz positiv aus: Das Ziel zur Erhaltung der für die Landwirtschaft wichtigen Sorten gilt als erreicht, und die umgesetzten Massnahmen ermöglichen es, ihre genetische Vielfalt zu erhalten.

Weniger positiv ist die Situation hingegen bei den einheimischen Wildarten, insbesondere bei den mit Kulturpflanzen verwandten Wildarten (CWR). Für viele von ihnen sind die notwendigen Voraussetzungen zur Erhaltung ihrer genetischen Vielfalt nach wie vor ungenügend.

Erhalten, aber auch nutzen

Der OECD-Bericht macht zudem einen wichtigen Unterschied deutlich: Wird erhaltene Vielfalt auch tatsächlich genutzt?

Die dargestellte Bewertung konzentriert sich hauptsächlich auf die Erhaltung genetischer Ressourcen und gibt nur wenig Aufschluss darüber, welche Sortenvielfalt tatsächlich angebaut wird oder inwieweit erhaltene Ressourcen in Züchtung und Produktion einfliessen. Eine grosse Vielfalt kann in Genbanken und Sammlungen erhalten werden, ohne dass sie deshalb in grossem Umfang auf Feldern, in Obstgärten oder entlang der Wertschöpfungsketten genutzt wird.

Diese Unterscheidung greift Fragen auf, die auch im Monitoring der SKEK und von ProSpecieRara untersucht wurden: Nach mehreren Jahrzehnten intensiver Bemühungen um die Erhaltung stellt die nachhaltige Nutzung der Vielfalt eine zentrale Herausforderung dar.

Ein zentrales Anliegen der Phase VIII des NAP-PGREL

Diese Feststellung deckt sich mit den Prioritäten der Phase VIII des NAP-PGREL (2027–2030). Neben der Weiterführung der Erhaltung liegt ein Schwerpunkt auf der nachhaltigen Nutzung der PGREL und der Sensibilisierung. Die Prioritäten zielen unter anderem darauf ab, lokale Sorten, bisher wenig genutzte Arten sowie an veränderte Umweltbedingungen angepasste Ressourcen besser zu nutzen und ihren Einsatz in Züchtung und Produktion sowie, wo sinnvoll, bis hin zur Produktentwicklung zu fördern.

Auch die Sensibilisierung nimmt einen wichtigen Stellenwert ein: Unterstützte Projekte sollen die PGREL sowie die Herausforderungen ihrer Erhaltung und Nutzung bekannter machen und aufzeigen, wie sich die verschiedenen Zielgruppen engagieren können. In der neuen Phase werden insbesondere gemeinschaftliche Projekte, Ansätze mit Multiplikatorwirkung sowie Massnahmen für Landwirtinnen und Landwirte, Gartenbaubetriebe und weitere betroffene Akteure gefördert. Ein besonderes Augenmerk gilt zudem der Sensibilisierung für die Bedeutung der CWR.

 

Weitere Informationen:

Bericht OECD 2026. Policies for the Future of  Farming and Food in Switzerland

CPC und ProSpecieRara, 2026. Vom Zustand der Schweizer Nutzpflanzendiversität 

Schwerpunkte  NAP-PEGREL Phase VIII 2027–2030

 

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NGT: Die Europäische Union lockert die Regeln für bestimmte gentechnisch veränderte Pflanzen

Am 17. Juni 2026 stimmte das Europäische Parlament einer neuen Verordnung über Pflanzen zu, die mit neuen genomischen Techniken (NGT) erzeugt wurden. Der Rat der EU hatte den Text bereits im April angenommen. Nach der Veröffentlichung im Amtsblatt sollen die neuen Vorschriften ab Mitte 2028 schrittweise gelten.

Das Grundprinzip ist einfach: Nicht mehr alle gentechnisch veränderten Pflanzen werden gleich behandelt.

Zwei Kategorien von NGT

Transgene GVO – also Pflanzen, in deren Erbgut mittels Gentechnik DNA eingefügt wurde, die teilweise von einer anderen Art stammt – unterliegen weiterhin den vollständigen GVO-Vorschriften.

Mit NGT wie CRISPR lässt sich das Erbgut einer Pflanze gezielt verändern. Die daraus hervorgehenden Pflanzen werden künftig in zwei Kategorien eingeteilt:

  • NGT-1: Veränderungen, die nach Auffassung der EU auch durch konventionelle Züchtung entstehen könnten.
  • NGT-2: andere, als komplexer eingestufte Veränderungen.

Eine NGT-1-Pflanze muss von einer zuständigen Behörde überprüft werden. Erfüllt sie die festgelegten Kriterien, wird sie anschliessend wie eine konventionelle Sorte behandelt: Es ist weder eine vollständige GVO-Risikobewertung noch eine besondere Kennzeichnung der Lebensmittel erforderlich. Das Saatgut muss jedoch als NGT gekennzeichnet werden, und die Sorten werden in eine öffentliche Datenbank eingetragen.

NGT-2-Pflanzen unterliegen weiterhin den bestehenden GVO-Vorschriften: Risikobewertung, vorgängige Zulassung, Rückverfolgbarkeit und Kennzeichnung. Die Mitgliedstaaten können ihren Anbau zudem einschränken oder verbieten.

NGT-Pflanzen dürfen nicht im biologischen Landbau eingesetzt werden. Pflanzen, die herbizidtolerant sind oder insektizide Stoffe produzieren, können nicht als NGT-1 eingestuft werden.

Ein weniger strenger Ansatz als von der ANSES empfohlen

In einer Stellungnahme aus dem Jahr 2024 empfahl die französische Agentur für Lebensmittelsicherheit, Umwelt- und Arbeitsschutz (ANSES), Pflanzen aus gezielter Mutagenese von Fall zu Fall zu bewerten – auch dann, wenn die Veränderung ein bereits bekanntes Merkmal reproduziert.

Die neue Verordnung behält diese umfassende Bewertung für NGT-2 bei, sieht für NGT-1 jedoch ein weniger strenges Verfahren vor: Sobald die Kriterien erfüllt sind, werden diese Pflanzen konventionellen Sorten gleichgestellt.

Und die Schweiz?

Die Schweiz ist nicht verpflichtet, diese Vorschriften zu übernehmen. NGT unterliegen weiterhin dem Gentechnikrecht, und das Moratorium für ihren kommerziellen Anbau soll bis zum 31. Dezember 2030 verlängert werden.

Der Bundesrat bereitet jedoch ein separates Gesetz für bestimmte Pflanzen vor, die keine artfremden Gene enthalten und einen nachgewiesenen Mehrwert bieten. Vorgesehen ist ein weniger strenges Verfahren als im geltenden GVO-Recht, wobei eine risikobasierte Zulassung beibehalten werden soll.

Unterschiedliche Vorschriften in der Schweiz und der EU könnten den Austausch von Saatgut und anderem Vermehrungsmaterial erschweren.

 

Quellen:

Endgültiger Rechtstext der EU (auf English)

Medienmitteilung zur Annahme der Verordnung | Europäisches Parlament

Bericht 2024 | ANSES (auf Französisch)

Schweizer Gesetzesentwurf zu neuen Züchtungstechnologie | BAFU

Medienmitteilung zur Ausrichtung des Bundesrates | BLW

 

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