NEWSLETTER SKEK
Sommer 2026
Liebe Mitglieder, liebe Interessentinnen und Interessenten,
Die vorliegende Sommerausgabe beleuchtet verschiedene Initiativen und aktuelle Entwicklungen rund um die Erhaltung und nachhaltige Nutzung pflanzengenetischer Ressourcen in der Schweiz.
Zunächst laden wir Sie herzlich zur diesjährigen SKEK-Exkursion nach Agroscope Conthey ein. Zudem stellen wir Ihnen unsere neue, gemeinsam mit ProSpecieRara erarbeitete Studie zur Vielfalt der Kulturpflanzen in der Schweiz vor. Anhand von 15 Indikatoren vermittelt sie erstmals einen Überblick über den Zustand dieser Vielfalt auf nationaler Ebene. Ausserdem blicken wir auf den Besuch des FiBL Ende März zurück, bei dem verschiedene Sortenversuche und Produktionssysteme des biologischen Landbaus vorgestellt wurden.
Auch unsere Mitglieder stehen im Mittelpunkt: Mit der Bondola wird ein historischer Tessiner Rebstock vorgestellt, der heute im Rahmen eines vom NAP-PGREL unterstützten Projekts erhalten und aufgewertet wird.
Auf nationaler Ebene hat das BLW neue Investitionen zur Förderung der Züchtung robuster und an die zukünftigen Herausforderungen angepasster Sorten angekündigt.
Schliesslich widmen wir uns verschiedenen internationalen und europäischen Dossiers zur Saatgutgesetzgebung. Dabei stehen sowohl das Scheitern der Verhandlungen zum Internationalen Saatgutvertrag der FAO als auch die laufende Reform des europäischen Saatgutrechts im Fokus.
Wir wünschen Ihnen eine anregende Lektüre und einen schönen Sommer.
Die Geschäftsstelle der SKEK
Inhalt
Neues von der SKEK
- Tag zum wissenschaftlichen und praktischen Austausch über Aprikosen und Heilpflanzen bei Agroscope in Conthey
- Neue Studie zum Zustand unserer Kulturpflanzen
- Rückblick auf den Besuch des FiBL in Frick Ende März
Neues von den Mitgliedern der SKEK
National
International
Neues von der SKEK
Tag des wissenschaftlichen und praxisnahen Austauschs über Aprikosen und Heilpflanzen bei Agroscope in Conthey
Wir freuen uns, Sie zur nächsten Exkursion der SKEK einzuladen, die am Dienstag, 23. Juni 2026, bei Agroscope in Conthey stattfinden wird.
Dieser Tag des wissenschaftlichen und praktischen Austauschs bietet die Gelegenheit, verschiedene Sammlungen sowie Forschungsaktivitäten rund um die pflanzengenetischen Ressourcen von Aprikosen, Heilpflanzen und Birnen kennenzulernen: Züchtung, angewandte Forschung, Feldbesichtigungen und Degustationen stehen auf dem Programm.
Zudem werden wir mehrere bedeutende Akteure und Projekte aus dem Wallis entdecken, die mit Innovation und der Nutzung pflanzlicher Ressourcen verbunden sind.
Das detaillierte Programm sowie das Anmeldeformular finden Sie unter diesem Link.
Anmeldefrist: 12. Juni 2026.
Teilnahmekosten (alles inbegriffen):
- SKEK-Mitglieder: CHF 25.–
- Externe Teilnehmende: CHF 36.–
Wir freuen uns darauf, diesen Tag mit Ihnen zu verbringen!
Neue Studie zum Zustand unserer Kulturpflanzen
Die Vielfalt der Kulturpflanzen und ihrer Sorten stellt eine zentrale Grundlage für eine nachhaltige Landwirtschaft dar. Sie gewährleistet stabile Erträge, stärkt die Resilienz gegenüber dem Klimawandel, Krankheiten und extremen Wetterereignissen und bildet eine Basis für die Züchtung zukünftiger Sorten. Zudem ist sie entscheidend für eine vielfältige und gesunde Ernährung.
Wie steht es um die Vielfalt unserer Kulturpflanzen?
Unsere neue Studie liefert erstmals einen umfassenden Überblick: Die Vielfalt der Kulturpflanzen in der Schweiz ist insgesamt gut erhalten, doch ohne kontinuierliches Engagement könnten rasch Verluste auftreten. Es braucht zusätzliche Anstrengungen, um diese Vielfalt zurück auf die Felder zu bringen.
Hier finden Sie den Kurzbericht, den vollständigen Studienbericht sowie die Medienmitteilung.
Das Thema wurde auch in mehreren Medienartikeln aufgegriffen:
- „Auf dem Feld bleiben alte Sorten lebendig“ (Schweizer Bauer, 16.05.2026)
- „Zoom sur la diversité des variétés“ (Agri, 15.05.2026)
- „Die Nutzpflanzenvielfalt muss aus den Genbanken hinaus auf Felder und Teller“ (BauernZeitung, 13.05.2026)
Daten aus dem Bericht wurden zudem im SCNAT-Bericht Verstehen und handeln für die Biodiversität in der Schweiz, im Abschnitt «Biodiversität in der Landwirtschaftszone», veröffentlicht (Januar 2026) aufgenommen. Wir freuen uns sehr über diese Zusammenarbeit.
Wir hoffen, dass die im Bericht präsentierten Ergebnisse zukünftige Diskussionen anregen und zur Stärkung der Massnahmen zugunsten der Agrobiodiversität beitragen.
Die Autor/-innen stehen für Fragen gerne zur Verfügung:
- Agnès Bourqui, SKEK, +41 31 506 41 21, agnes.bourqui(at)cpc-skek.ch
- François Meienberg, ProSpecieRara, +41 61 545 99 19, francois.meienberg(at)prospecierara.ch
Rückblick auf den Besuch des FiBL in Frick Ende März
Am 27. März trafen sich die Mitglieder der SKEK zu ihrer jährlichen Generalversammlung in Frick. Der Nachmittag war dem Besuch des FiBL gewidmet, das zu den wichtigsten Forschungsinstituten für den biologischen Landbau in der Schweiz und weltweit zählt. Nachfolgend finden Sie einen Rückblick auf diesen Besuch.
Das FiBL wurde 1973 gegründet und ist seit 1997 in Frick ansässig. Heute beschäftigt das Institut rund 300 Mitarbeitende in der Schweiz. Es zeichnet sich insbesondere durch die enge Verbindung von wissenschaftlicher Forschung, landwirtschaftlicher Beratung und Praxis aus. Zum Standort gehören unter anderem Versuchsobstanlagen, ein Rebberg, ein Landwirtschaftsbetrieb sowie verschiedene Forschungsinfrastrukturen im biologischen Landbau.
Ein Schwerpunkt des Besuchs lag auf der Rolle des FiBL als Sortenprüfstation unter biologischen Anbaubedingungen. Nach einer ersten Auswahl, insbesondere durch Agroscope, werden vielversprechende Sorten am FiBL weiter geprüft, um ihr Verhalten unter realen Anbaubedingungen zu beurteilen.
Die Versuche werden nach verschiedenen Ansätzen durchgeführt:
- Praxisnahe Bewirtschaftung mit den im Biolandbau zugelassenen Betriebsmitteln;
- Bewirtschaftung mit reduziertem Einsatz von Betriebsmitteln zur Beurteilung der Robustheit der Sorten;
- Vergleich verschiedener Anbaustrategien.
Dieser Ansatz ermöglicht es, Sorten zu identifizieren, die eine zuverlässige Produktion gewährleisten und gleichzeitig den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln reduzieren.
Das FiBL testet nicht nur Sorten, sondern auch Produktionssysteme. Während des Besuchs wurden verschiedene Versuchsanlagen vorgestellt, die unter anderem darauf abzielen, den Kupfereinsatz zu reduzieren, die Durchlüftung der Obstanlagen zu verbessern, Abdeckungssysteme gegen feuchtigkeitsbedingte Krankheiten zu testen sowie unterschiedliche Bewässerungs- und Anbaustrategien zu vergleichen.
Auf rund 2,5 Hektaren führt das FiBL zahlreiche Versuche mit Äpfeln, Birnen, Aprikosen, Pflaumen und Kirschen durch. Die Teilnehmenden konnten unter anderem Versuche zur Birnenschorfresistenz, verschiedene Unterlagen sowie mobile Tunnel- und Abdeckungssysteme zur Verringerung von Krankheiten und klimatischen Risiken besichtigen.

Die Ausstrahlung des FiBL reicht weit über die Schweizer Grenzen hinaus. Ende Mai 2026 war das Institut an der Veröffentlichung neuer Länder-Factsheets zum biologischen Landbau in 29 europäischen Ländern beteiligt. Diese entstanden im Rahmen des Projekts OrganicTargets4EU. Das Factsheet zur Schweiz zeigt, dass heute 18,4 % der Schweizer Landwirtschaftsfläche biologisch bewirtschaftet werden, verglichen mit durchschnittlich 11,1 % in der Europäischen Union.
Dieser Nachmittag bot den Mitgliedern der SKEK die Möglichkeit, konkret zu beobachten, wie Sortenvielfalt und pflanzengenetische Ressourcen heute in angewandten Versuchen genutzt werden, die direkt mit den aktuellen Herausforderungen des biologischen Landbaus verknüpft sind.
Weitere Informationen:
Faktenblatt zum Bio-Sektor: Produktions- und Markttrends sowie politische Massnahmen
(auf Englisch) | Organic Targets 4EU
Neues von den Mitgliedern der SKEK
Präsentationsabend zur Bondola in Bellinzona am 29. Juni

Am Montag, 29. Juni 2026, findet im Castelgrande in Bellinzona ein Abend rund um die Bondola statt. Auf dem Programm stehen die Vorstellung des NAP-PGREL-Projekts «Bondola ist nicht gleich Bondola» sowie eine von ProSpecieRara und Slow Food organisierte Degustation.
Die Bondola ist eine historische Tessiner Rebsorte, die einst im Sopraceneri weit verbreitet war. Heute machen Bondola und Bondoletta zusammen nur noch rund 1,5% der Tessiner Rebfläche aus, die heute weitgehend vom Merlot dominiert wird.
Das 2025 lancierte Projekt verfolgt das Ziel, verschiedene Klone von Bondola und Bondoletta zu erhalten und zu selektionieren. Damit soll die Verfügbarkeit von Pflanzmaterial verbessert und zur Wiederbelebung dieser historischen Rebsorten beigetragen werden.
Ende April 2026 wurden die ersten 250 Rebstöcke in einem Versuchsrebberg beim Castelgrande gepflanzt. Das Projekt wird in Zusammenarbeit mit der Landwirtschaftsschule Mezzana durchgeführt. Zu den Partnern gehören unter anderem Agroscope, Slow Food, Ticinowine sowie verschiedene Tessiner Produzentinnen und Produzenten, die sich in der Comunità della Bondola zusammengeschlossen haben.
Weitere Informationen:
Bondola ist nicht gleich Bondola | ProSpecieRara
Presidio Bondola und Bondoletta | Slow Food Schweiz
National
Das BLW setzt auf robuste Sorten

Anfang Mai 2026 kündigte das Bundesamt für Landwirtschaft (BLW) neue Finanzmittel zur Stärkung der Pflanzenzüchtung, der Sortenprüfung und des Pflanzenschutzes bei Agroscope an.
Langfristig werden zusätzlich 3,5 Millionen Franken pro Jahr in die Entwicklung und Prüfung robuster, an die Schweizer Bedingungen angepasster Sorten investiert. Mehrere Projekte wurden bereits lanciert, unter anderem zu Kartoffeln, Raps, Speisesoja, Tomaten, Zwiebeln, Aprikosen und Himbeeren.
Ein wichtiger Schwerpunkt liegt beispielsweise auf der Prüfung robuster Kartoffelsorten für die Schweiz mit dem Ziel, deren Anteil im kommerziellen Anbau zu erhöhen. Weitere Projekte befassen sich mit der Insektenresistenz bei Raps, der Züchtung von Speisesoja sowie der Reduktion von Krankheiten im Obstbau.
Die Projekte sind Teil der Strategie Pflanzenzüchtung 2050 sowie der Strategie Nachhaltiger Pflanzenschutz 2035 des Bundes.
Weitere Informationen:
International
Saatgutrecht: Die Debatten bleiben aktuell

Fragen rund um den Zugang zu, die Nutzung von und die Regulierung pflanzengenetischer Ressourcen bleiben auf internationaler und europäischer Ebene von grosser Bedeutung.
Ende 2025 scheiterten die Verhandlungen zur Reform des Internationalen Vertrags über pflanzengenetische Ressourcen für Ernährung und Landwirtschaft (ITPGRFA) der FAO nach mehr als zehn Jahren Diskussionen. Die Vertragsstaaten konnten sich in mehreren zentralen Fragen nicht einigen, insbesondere beim Vorteilsausgleich aus der Nutzung genetischer Ressourcen sowie bei der Finanzierung ihrer weltweiten Erhaltung.
Der Vertrag soll sicherstellen, dass genetische Ressourcen von Kulturpflanzen zugänglich bleiben und gleichzeitig ein gerechter Beitrag zu ihrer Erhaltung geleistet wird. Laut ProSpecieRara stellt das Scheitern der Verhandlungen einen bedeutenden Rückschlag für Länder des globalen Südens, Pflanzenzüchterinnen und Pflanzenzüchter sowie Organisationen dar, die sich für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt engagieren.
Und in Europa?
Parallel dazu laufen die Diskussionen über die künftige europäische Verordnung über pflanzliches Vermehrungsmaterial derzeit in der abschliessenden Verhandlungsphase («Trilog») zwischen der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament und den Mitgliedstaaten.
Seit 2024 weisen zahlreiche bäuerliche, saatgutbezogene und im Bereich Biodiversität tätige Organisationen auf verschiedene problematische Aspekte des Verordnungsentwurfs hin. Kritisiert werden insbesondere die administrativen Anforderungen für kleine Organisationen, die alte oder vielfältige Sorten erhalten und verbreiten.
Anfang Mai 2026 unterstützten mehrere europäische Organisationen, die sich für die Erhaltung und nachhaltige Nutzung der Kulturpflanzenvielfalt einsetzen, eine neue offene Stellungnahme, die von der österreichischen Organisation Arche Noah koordiniert wurde. Zu den Unterzeichnenden gehören unter anderem ProSpecieRara, Slow Food, IFOAM Organics Europe und das OrganicSeeds Institute. Die Unterzeichnenden fordern Ausnahmen für Kleinstunternehmen und Erhaltungsorganisationen, da gewisse administrative Verpflichtungen ihrer Ansicht nach die Erhaltung und Verbreitung der Kulturpflanzenvielfalt erheblich erschweren könnten.
Weitere Informationen:
Bericht “Bürokratie gegen Biodiversität” (auf English) | Arche Noah








