CPC-SKEK

Ackerpflanzen

Rolle der alten Getreidesorten

Der Anbau von Getreide hat sich stark gewandelt. Früher wurden fast alle Arbeiten von Hand erledigt. Erst seit etwa 100 Jahren gibt es Dreschmaschinen. Im Berggebiet der Schweiz hielten sie erst nach Mitte des letzten Jahrhunderts Einzug. Bis in die 1960er Jahre war der Anbau von Roggen zur Selbstversorgung in abgelegenen Bergdörfern noch üblich. Das Getreide wurde von Hand gedroschen.

Die Landsorten von Getreide sind an diese Art der Bearbeitung angepasst. Ein typisches Beispiel dafür ist der Walliser Winterroggen. Seine Körner halten schlecht in der Ähre. Er lässt sich so mit dem Dreschflegel leicht dreschen. Da die Halme vor der Vollreife geschnitten, zu Garben gebunden und eingepackt in die Stadel gebracht wurden, gab es keine Kornverluste. Heute muss das Getreide auf dem Feld stehenbleiben, bis es vollreif ist und der Mähdrescher kommt. Die Körner müssen also bis am Schluss in der Ähre halten.
Die meisten erhalten gebliebenen älteren Schweizer Sorten wurden in den 1940ern und 1960er Jahren gesammelt und stammen aus dem Berggebiet. Im Mittelland haben die Landwirte schon auf neue Sorten umgestellt, bevor die Getreidefachleute mit ihren Sammlungen begonnen haben. Dieser Teil der Sortenvielfalt ist deshalb verloren gegangen.

Fazit

Moderne Sorten müssen andere Anforderungen erfüllen als alte. Deshalb ist es bei vielen alten Sorten nicht möglich, sie für den heutigen kommerziellen Anbau zu verwenden. Als Nischensorten für spezielle Zwecke sind sie manchmal geeignet. (Beispiele: Rheintaler Ribelmais, Emmer im Klettgau, langstrohiger Roggen für Bienenkörbe, historische Strohdächer, Museen und Sortengärten zur Geschichte des Getreides).

Ferner sind alte Sorten genetisch sehr vielfältig. Sie verfügen über Resistenzen, die für die Züchtung wichtig sind, und sind auch sonst genetisch breit. Deshalb müssen sie erhalten bleiben, um die genetische Vielfalt zu sichern. In Charakterisierungsprojekten werden ihre Eigenschaften erfasst und beschrieben, damit sie nutzbar sind. Die Resultate sind in der Datenbank verfügbar (www.bdn.ch).